TV, TV, TV und die Stars, die wir dort täglich zu sehen bekommen

Du möchtest ein Star sein? Berühmt und in aller Munde? Du willst, dass jedermann in Deutschland über dich spricht? RTL und Co. Reportagen über dich drehen, die Bild Zeitung, Spiegel und Stern dein Gesicht auf das Cover bringen und einen großen Leitartikel verfassen? Nur zu, du kannst es schaffen. Und es ist nicht einmal so schwer. Das deutsche Fernsehen zeigt es in den letzten Wochen beinahe pausenlos, wie leicht es sein kann, ins Rampenlicht zu kommen. Du brauchst dafür kein Talent. Du musst nicht singen können. Oder tanzen. Du musst auch nicht gut aussehen. Oder gar gehen können. Es ist egal, ob du hochgebildet oder grenzdebil bist. Um berühmt zu werden, brauchst du nur eines: du musst anders sein. Anders als all die anderen. Etwas schräg vielleicht und gut darin. Nicht zu gut, nur eben ... anders. Leicht verrückt. Verschroben. Und mit dem eisernen Willen, deine Selbstachtung komplett über Bord zu werfen und alles zu tun für den Ruhm. Je schräger, desto besser. Je merkwürdiger du aussiehst, je weniger du singen kannst, je mehr Schwachsinn du von dir gibst, umso größer werden deine Chancen, vor eine Kamera gestellt zu werden. Sollte all das nicht fruchten und solltest du feststellen müssen, doch nicht verrückt genug zu sein, um berühmt zu werden, dann klinke dein Gehirn komplett aus. Wenn es zum Supertstar, zum Topmodel oder zum Dschungel-Camp Kandidaten nicht reicht, werde einfach Amokläufer und Massenmörder. Vergiss allerdings nicht, zuvor anzukündigen, wie durchgedreht du demnächst sein wirst und installiere noch schnell ein paar brutale Spiele auf deinem Computer, selbst wenn du viel lieber Volleyball spielst. Du wirst sehen, ins Fernsehen und auf die Titelseiten zu kommen war noch nie so leicht wie heute. Jeder Depp kann das. Und je bescheuerter du bist, umso einfacher wird es. Man kann gar nicht bescheuert genug sein, berühmt zu werden. Werde also jetzt ein Star und zeig es den anderen mal so richtig.
Halb dösend auf dem Sofa liegend und in die Glotze starrend, wünschte ich mir, die Fernsehsender würden endlich damit aufhören, ihre Promo-Trailer zu kommenden Serien und Filmen nicht so schneiden, als würden die Darsteller eine Art Dialog führen oder Kommentare zum Programm abgeben. Ich kann es nicht mehr sehen, wenn die CSI-Cops Sätze sagen wie „Das muss man gesehen haben“, woraufhin die Medium-Tante meint „Oh, großartig“, um von einer verzweifelten Hausfrau mit „Toll. Die sind wirklich die Besten“ bestätigt zu werden, was irgendeinen Bones-Kameraden zu der Aussage „Das sage ich auch immer“ nötigt. Die Beispiele sind mannigfaltig und der Sinn ist mir absolut schleierhaft. Was bezwecken diese Trailer-Cutter damit? Soll damit das Programm leichter zu merken sein? Soll der gemeine RTL2-Zuschauer mit dem Eindruck geködert werden, das komplette Fernsehprogramm sei eine große, zusammenhängende Show, in der eine Serie und ein Film nahtlos die/den nächsten beeinflusst und ineinander übergeht? Oder ist es nur ein Gag, ohne tieferen Hintergrund? Ich weiß es nicht.
Was ich allerdings weiß, ist die Tatsache, dass es zuviel Eigenwerbung im Programm der Sender gibt. Zusätzlich zur üblichen Produktwerbung nerven diese Trailer und Promos noch mehr. Einen Abend lang im deutschen Fernsehen verbracht, ist man mindestens acht Mal darüber informiert worden welche phantastische Show am Samstag Abend gezeigt wird und welche Spielfilme im Frühjahr ausgestrahlt werden. Und das wiederholt sich bis zum betreffenden Samstag/Frühjahr. Weniger Ankündigung für das Programm würde mehr Platz für das Programm schaffen und weit weniger zum Abschalten nötigen. „Meinst du?“ „Mit Sicherheit.“ „Das sollten sie sich mal anhören.“ „Auf keinen Fall verpassen.“ „Ohja.“
So zumindest lautet der Wunsch einer Community, die sich nach der Schließung des Internet- und Spielesenders GIGA am Freitag, den 13.Februar 09 zusammen getan hat. Da der Haussender Premiere sich wieder auf das Kerngeschäft konzentrieren möchte, zog er bei GIGA einfach den Stecker. Es werden keine neuen Sendungen mehr produziert, bis Ende März werden Wiederholungen gesendet, dann ist zappenduster. Im Mai macht sogar die Website dicht.
Ein harter Schlag, natürlich für alle Mitarbeiter von GIGA, aber auch für die Fans und die aktive Community. Denn GIGA wollte immer auch Mitmachfernsehen sein und der Großteil der Sendezeit wurde "interaktiv" mit den Zuschauern gestaltet. Oft gerieten die Sendungen und die Moderation scharf an der Grenze des Erträglichen und man fragte sich als mündiger Erwachsener, wie jung (oder blöd) man sein muss, um es ertragen zu können. Nichtsdestotrotz erfreute sich das Programm einer gewissen Beliebtheit.
Eben diese aktive Community kommt nun unter dem Motto "Wir sind GIGA" mit einer Idee auf den Plan, die so abwegig gar nicht klingt. In einem vorformulierten Brief kann sich jeder daran beteiligen, die ARD darum zu bitten, sich GIGAs anzunehmen und das Programm in einen ihrer Spartensender zu übernehmen. Der Vorschlag lautet, GIGA-Programme nach Sendeschluss des Kinderkanals auszustrahlen, was einer Uhrzeit von 20 bis 24 Uhr entspräche.
Ich persönlich kann das nur begrüßen. Nicht zum ersten Mal wundere ich mich, dass ein Markt, der der Filmindustrie mehr als nur das Wasser reichen, im deutschen TV noch keine Lobby gefunden hat. Nur MTV hält mit "Game One" noch teilweise daran fest, Computer- und Konsolenspiele nicht als bloßen Kinderkram abzutun. Es überrascht mich stets aufs Neue, dass noch kein Sender auf die Idee gekommen ist, Spiele derart in einer Show zu präsentieren, dass auch ein Erwachsener sie sich ansehen kann. Denn diese spielenden Erwachsenen lassen jährlich Abermillionen Euro über die Ladentheken wandern, um ihrem Hobby zu frönen. Ein Markt, den es abzuschöpfen gilt.
Natürlich würde es bedeuten, dass GIGA sein gesamtes Konzept neu überdenkt. Mit Youtube-Videos, debilen Moderatoren, Minispielchen und Co. lassen sich keine (erwachsenen) Kunden vor den Fernseher locken. Hintergrund-Infos, Spieletests, Berichterstattungen, das sollte Programm werden. Hinzu kommt noch, dass GIGA ja nicht nur über Spiele informieren wollte, sondern auch über Internet, Technik und Trends. Alles tolle Themen. Wenn sie richtig präsentiert werden.
Ob die "Wir sind GIGA"- Community allerdings mit mir einer Meinung sein wird, wage ich zu bezweifeln. In dem vorgefertigten Brief an die ARD wird auf das vornehmlich jugendliche Publikum hingewiesen. Da ist ein Kinder-GIGA im Kinderkanal natürlich bestens aufgehoben. Und der Wunsch scheint es auch zu sein, am bisherigen GIGA-Konzept nichts zu ändern. Schade.
Und wer traut sich endlich mal, Spiele-Sendungen für Erwachsene zu machen?
Gestern Abend zeigte Pro7 eine weitere "Schlag den Raab"-Show und ich meine es schon einmal erwähnt zu haben, dass ich die Sendung sehr mag. Sie ist spannend, sie ist witzig und sie knüpft so herrlich an alte Samstagabendshow- und Spiele-ohne-Grenzen-Zeiten an. Obwohl, was die Sache mit der Spannung betrifft, so musste ich auch gestern wieder einen Dämpfer entdecken. Denn zum wiederholten Male wählten die Zuschauer einen sportlich erscheinenden, muskelbepackten Gegner für Raab. Der daraufhin in allen Disziplinen, die nicht mir Kraft zu tun hatten, komplett versagte. Wann kapieren die Leute endlich, dass Raab ein Multitalent ist, der zwar nichts wirklich gut, aber dafür fast alles gut genug kann? Es bringt nichts, einen Olympiasieger auf Raab los zu lassen, der zwar gut im Hochsprung ist, oder schnell laufen kann, wenn die Disziplinen dann Badminton, Würfeln oder Stimmen erkennen heißen. Ein Multitalent muss her, jemand, der ebenso clever wie ausdauernd ist. Von den 15 Spielen, die in der Show absolviert werden, rufen doch nur ein oder zwei die Kraft der Kandidaten ab. Und wenn ich dann sehe, dass ein Muskeltyp beim BMX-Fahren so dermaßen ins Schwitzen kommt, dann kann es mit Ausdauer nicht weit her sein.
Ach, am besten wäre es, und dies ist auch immer noch mein größter Kritikpunkt an der Sendung, den kompletten Vorstellungs- und Wahlvorgang zu Beginn der Sendung abzublasen. Man vertrödelt eine Stunde bester Sendezeit, um Kandidaten zuhause und beim Sport zu zeigen, die dann ohnehin nicht gewählt werden. Das anrufende Publikum wählt daraufhin immer den am sportlichsten erscheinenden aus und die Sendung tröpfelt vor sich hin, weil Raab ihn in Grund und Boden spielt.
Daher mein Vorschlag, liebes Pro7-Team. Lasst diese Auswahl weg. Schafft Allround-Talente ran, die die Show spannend machen. Setzt Raab jemanden entgegen, der ebebso clever wie agil ist. Vielleicht im regelmässigen Wechsel Mann und Frau. Fangt geich mit der Show an, um noch vor Mitternacht fertig zu sein. Sonst wird das ganze zu schnell sehr öde und selbst 5 Millionen Preisgeld lockt dann keine Zuschauer mehr an.
Eine meiner absoluten Lieblingsserien derzeit ist Dr.House. Ich finde ihn einfach klasse, seine Art, seine Sprüche und seine konsequente Art, wirklich niemals auch nur aus Versehen nett zu sein. Eigenartig, wie man so jemanden mögen kann. Ich mag die Atmosphäre der Serie, den lakonischen Humor, die Beziehungen zwischen den Figuren (in der vierten Staffel übrigens nicht mehr ganz so - wenn Cameron und Chase nicht mehr zum Team gehören und nichts beizutragen haben, sollten sie weg. Ebenso ist Foreman sehr ungeschickt wieder eingeführt worden) und natürlich auch die meist absurden Fälle. Es ist nie Lupus.
Man kann Serien ebenso wie Filme, Musik und Bücher mögen oder eben nicht. Ich mag Dr.House. Aber ich muss etwas gestehen. Ich verstehe es nicht immer. Klar, in keiner Serie wird mit mehr Fachbegriffen um sich geworfen als hier. Manchmal werfen sich die Leute minutenlang Namen von Krankheiten und Körperteilen an den Kopf, ohne dass ich nur den geringsten Schimmer habe, wovon sie sprechen. Egal. Was mir mehr zu schaffen macht, ist, dass ich viele Dialoge nicht verstehe. Dass ich nicht weiß, was House gerade zu sagen versucht. Dass ich nicht weiß, was Wilson, sein einziger Freund, gerade meint. Oder worauf Cuddy hinaus will.
Oft springen die Dialoge im Sekundentakt hin und her. Es geht um den Fall und im nächsten Satz wieder um persönliches, wieder um den Fall, dann eine Beleidigung. Ein Stakkato an Sprüchen, die so oft nicht zusammen passen wollen. Oder erst, wenn ich Zeit hatte, darüber nachzudenken. Das alles ist natürlich sehr cool, weil House sehr cool ist. Umso uncooler ist es, zugeben zu müssen, manchmal recht ratlos da zu sitzen.
Wovon haben die jetzt gesprochen? Wen hat er jetzt gemeint? Wie kam er jetzt darauf? Ich glaube, ich bin zu langsam für die Serie. Oder zu doof. Aber ich mag sie trotzdem. Sehr sogar. Und irgendwann ist es bestimmt doch Lupus.
Noch nie habe ich es verstanden, weshalb das Thema PC- und Konsolenspiele im Fernsehen so stiefmütterlich behandelt wird. Schließlich spielt mittlerweile fast jeder, egal ob am Rechner, am Fernseher, oder mobil. Und mit Games werden nachweislich mehr Dollar umgesetzt als in der Filmindustrie. Dennoch gibt es im deutschen Fernsehen nur eine Sendung, die regelmäßig über Neues und Interessantes auf dem Spielemarkt informiert. MTVs Game One.
Woran liegt das? Ist es wirklich nur mangelndes Interesse der Zuschauer? Oder hat da das Internet mittlerweile weit die Nase voraus? Ist das passive Medium Fernsehen einfach nicht geeignet, um aktive Unterhaltung wie Spiele an den Mann zu bringen? Aber wieso gibt es dann soviel mehr Game-Zeitschriften? (Wobei auch hier der Markt rückläufig ist). Oder sind Spiele in den Augen der Senderchefs entweder Kinderkram oder gefährliche Ego-Shooter-Massenmörder-Inspirationen? Und um nochmal den Vergleich zur Filmindustrie heranzuziehen: Es gibt auch keine vernünftige Sendung über Kino. So gesehen scheint das deutsche TV alles zu ignorieren, was man jenseits des Fernsehkonsums zum Zeitvertreib tun kann. (Selbst Elke Heidenreich liest nicht mehr)
Doch zurück zu Game One auf MTV. Auch diese Sendung hat es nicht leicht. In wunderbarer Regelmäßigkeit wird ihre Länge verändert. Oder der Sendeplatz. Was dazu führt, dass ich mehr Folgen verpasse, als mir lieb ist. Denn ich mag die Sendung. Und ich mag die beiden Moderatoren. Simon Krätschmer und Daniel Budimann führen durch das Programm, stellen neue Spiele für alle Systeme vor, führen Interviews und zeigen auch Hintergrundberichte. Und dazwischen machen sie viel Quatsch. Da werden mit Green-Screen und Außenaufnahmen kleine Einspieler produziert, da wird teils plumper Humor benutzt oder Filmschnipsel werden eingestreut. Eine Menge Aufwand und stets an der Grenze zum kindischen und zur Lächerlichkeit. Aber irgendwie charmant. Die beiden Jungs machen das alles mit soviel Witz und Spaß an der Sache, dass auch der Zuschauer seine Freude hat.
Und dann kommt noch dazu, dass sie fundiertes Wissen und kritische Bewertung an den Tag legen, die weit abseits von McDonalds-Spiele-Promotions liegt. So wird beispielsweise nicht nur erzählt und gezeigt, dass ein neuer Call-of-Duty-Teil auf dem Markt ist. Nein, man spricht öffentlich über die moralischen Bedenken, zeigt Spieleszenen, die grenzwertig sind und gibt dem Titel mutig einen faden Beigeschmack. Was dem Zuschauer wieder beweist, dass Spiele auf dem Bildschirm eben nicht nur aus Schießen und Töten bestehen sollen. Game One geht mit dem Thema tatsächlich auch differenziert um.
Diese Mischung aus plumpem Klamauk, kritischem Betrachten und den sympathischen Moderatoren macht für mich den Reiz der Sendung aus. Denn jenseits des Gaga Giga-Programms (zu 95% nur für unter 16-Jährige zu ertragen) ist Game One die letzte Bastion der Spieleberichterstattung im Fernsehen.
Wer, wie ich, immer wieder die Folgen verpasst, kann sie natürlich auch online sehen, was mich zu meiner anfänglichen Frage bringt: Ist das Internet in Sachen Spiele weiter und vielleicht auch geeigneter? Schwer zu sagen, denn interessanterweise macht Game One im Netz nicht so viel Spaß. Im Netz suche ich gezielt nach Informationen, da will und kann ich mich nicht berieseln lassen. Da will ich auch keinen Klamauk, da will ich Szenen aus dem Spiel, eine Bewertung und die Frage beantwortet haben, ob ich es kaufen kann. Lässig auf dem Sofa liegend, macht es viel mehr Spaß, eine Show zu sehen, gut gelaunte Leute vor der Kamera und witzige Ideen.
In Sachen Spiele ist MTV ja glücklicherweise noch sehr engagiert. Die MTV Game Awards stehen an. Diese werden zwar nie den Stellenwert eines EMA bekommen, aber immerhin. Und sagte ich eben "noch"? Nun, wie man allerorten lesen kann, ist MTV (und die Tochtersender Viva und Comedy Central) in argen Geldnöten. Sendungen werden gestrichen, VJs ihres Jobs beraubt.
Bitte MTV, lasst Game One nicht sterben. Kürzt es auch nicht wieder. Seid mutig und zeigt Game One prominenter. Ihr habt da wirklich eine kleine Perle, die eine komplett brachliegende Nische nutzt. Bitte füllt euer Programm nicht nur mit weiteren Kuppel- und Castingshows und anderem Mist (By the Way: Zeigt ihr eigentlich überhaupt noch Musikvideos? Wenn ja, wann?).
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